Auf der Spur der Lachse – Verbraucher berichten, Teil 3

Liebe Leser,

unsere Gewinnerin Carolin hat hier für Sie die beiden vorletzten Tage in Alaska zusammen gefasst. Viel Spaß beim Lesen!

Donnerstag, 13. August 2015

Abflug! Unglaublich schade, denn schon als ich morgens durch die Vorhänge meines Hotelzimmers lukte, strahlte die Sonne am hellblauen Himmel. So Alaska. Das kannste also auch. Eigentlich der perfekte Tag zum Wandern! Ausgeschlafen und energiegeladen war mir grade nach allem anderen, als mich für den kompletten Tag in den Flieger zu hocken und salzige Zimtbrezeln zu vertilgen… aber gut. Innerhalb Alaskas zu fliegen ist wie Busfahren bei uns: Man kauft ein Ticket bis an seine Wunschhaltestelle, steigt ein und landet überall zwischen, wo jemand aus- bzw. einsteigen möchte. Wobei sich auch die Preise mittlerweile von denen des Hamburger Verkehrsverbundes nicht mehr groß unterscheiden dürften.
Los ging’s also: Von Juneau nach Yakota, dann weiter nach Cordova (dessen Existenz mir ehrlich gesagt vorher noch nie bewusst war), von Cordova weiter nach Anchorage. Nach einer kleinen Stärkung an eben diesem Flughafen dann endlich zum Ziel des heutigen Tages, Kodiak Island. Gleichzeitig die letzte offizielle Station unserer Reise auf der Spur der Lachse.
Dank des mittlerweile stahlblauen Himmels wurden wir unerwartet für unseren ins Wasser gefallenen Seaplane-Ausflug entschädigt. Die Aussicht war einfach unfassbar schön – alle paar Minuten änderte sich die Landschaft unter uns: Von türkisblauen Küstenstreifen und grünen Tälern mit verästelten Flussbetten bis hin zu schneebedeckten zerklüfteten Gebirgen.

Alaska von oben

Copyright: FRIEDRICHS

Alaska von oben

Copyright: FRIEDRICHS

Ich kam mir vor wie live in einem dieser National Geographic-Bücher „Die Welt von oben“. Alaska zeigte sich also plötzlich von seiner atemberaubendsten Seite.

Alaska von oben

Copyright: FRIEDRICHS

Das Flughafengebäude von Kodiak gleicht eher einem Wohnzimmer-Container als einem Terminal. Die Koffer werden per Hand aus dem Flieger durchs Fenster gereicht und so einige wunderten sich, wie viele Menschen hier lediglich mit Angeln oder anderen skurrilen Utensilien anreisten („Anyone missing a guncase?“)? Willkommen in der Wildnis! In Kodiak angekommen wurden wir bereits von Jeff Stephan erwartet, Chairman der United Fisherman’s Marketing Association. Ein echtes Original und gleichzeitig für die nächsten Tage unser „local tourguide“. Jeff gehört sicher zu den enthusiastischsten Menschen, die ich je getroffen habe: Die Begrüßung war überschwänglich und man merkte ihm die Vorfreude, uns die nächsten zwei Tage „seine“ Insel zeigen zu können, deutlich an. So ging es nach einer kurzen Vorstellungsrunde gleich vom Flughafen zu diversen Aussichtspunkten der Insel, Jeff in seinem Pick Up und voll beladen mit unseren Koffern voran. Keine Zeit verlieren. Wobei einige von uns sicher gegenüber einem kurzen vorherigen Stopp im Hotel nicht abgeneigt gewesen wären. Dafür blieben dann später nur noch ein paar Minuten, denn wir ließen den langen Reisetag im „Old Powerhouse“ ausklingen: Mit äußerlich eher unspektakulärem Lagerhallen-Charme entpuppte sich das Hafengebäude von Innen als wahrer Geheimtipp – mit frischestem Seafood und vor allem großartigem Sushi. Wen auch immer es mal nach Kodiak verschlagen sollte – unbedingt dort hingehen! Und möglichst nicht ohne Peanut Butter Pie-Dessert wieder verlassen.

Freitag, 14. August 2015

Ran an den Fisch!

Petri heil. Heute durften wir endlich selber ran, denn wir hatten auf zwei kleinen Fischerbooten angeheuert, mit denen wir für einen kompletten Tag in See stechen sollten. Unsere Gruppe unter fachmännischer Aufsicht von Käpt’n Dave düste begleitet von lauter musikalischer Beschallung raus auf die Beringsee und entlang wunderschöner, wilder Inseln. Auf meine Frage hin, ob Heilbut generell zu ACDC besonders gut beißen würde, erntete ich lediglich ein breites Grinsen und ein „for sure“. Skeptisch beäugte ich die fette Truhe in der Mitte unseres Kutters. Die sollte laut DJ-Käpt’n Dave bis zum Ende des Tage komplett mit Frischfisch gefüllt werden. Na denn mal ran an die Angeln. Obwohl ich zunächst noch etwas Bedenken hatte, ob ich nicht eher aus Versehen einen meiner Mitstreiter mit den Haken treffen würde, als irgendeinen Fisch dort unten, ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten: „Fish on!“ – einer nach dem anderen zog Heilbutte an Land.

Carolin mit einem Heilbutt

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Bei den ersten musste ich ernsthaft mit mir ringen, ob ich sie nicht doch heimlich wieder zu Wasser lassen sollte… Aber Fisch wächst nun einmal nicht auf Bäumen und wer ihn essen will, der muss auch angeln können. Der Vorschlag mit dem Veggie-Fishing in Form von Algen und Seegras kam bei Dave irgendwie nicht so gut an. Meine Ausbeute hielt sich aber im Vergleich zu meinen Mitanglern tatsächlich in Grenzen. Gar nicht so einfach, so einen dicken Fisch an Deck zu ziehen – die Arme bekamen ordentlich was zu tun und uns hatte dann doch recht schnell der Ehrgeiz gepackt. Plötzlich hatten wir einen ganz besonders hartnäckigen Fall an der Leine. Es ruckelte und zog noch viel mehr als vorher und Dirk kurbelte wie ein Wahnsinniger. Und beförderte dann eine echte Überraschung zu Tage: „Shark, it’s a shark!“ Verdammt, war uns doch tatsächlich ein Mini-Hai in die Lappen gegangen.

Dave mit einem Hai

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Unglaublich. Schnell ein Beweisfoto, dann durfte ich den verdatterten Zeitgenossen wieder ins Wasser entlassen, wo er auch sofort das Weite suchte.
Die Zeit verging schnell und wir angelten noch eine ganze Menge Heilbutt und Rockfish – nur einen Lachs bekamen wir nicht an die Angel. Ausgerechnet. Nach mehreren Anlaufversuchen und Ködervarianten beschlossen wir dann ziemlich einstimmig, es mit der ja schon ordentlich gefüllten Truhe gut sein zu lassen und den geordneten Rückzug anzutreten. Jedem Angler ist ohnehin nur eine gewissen Anzahl an Fisch erlaubt, weshalb wir ordentlich Strichliste führten, um unseren Fang nachher dokumentieren zu können. Mein erstes Mal Hochseeangeln war also erfolgreich beendet. Unser zweiter Angeltrupp war, natürlich nur was das Thema Lachs angeht, wesentlich erfolgreicher und so wird uns demnächst ein ordentliches Paket Frischfisch nach Hause geliefert. Der Omega-3-Haushalt dürfte bis zum Ende des Jahres gesichert sein.

Carolin K.