20 Jahre nachhaltige Fischerei: Interview mit Gerlinde Geltinger vom MSC

Als Fischliebhaber begegnet Ihnen das blaue Siegel des Marine Stewardship Councils (MSC) häufig beim Einkaufen. Es kennzeichnet Fisch und Meeresfrüchte, die aus zertifizierter nachhaltiger Fischerei stammen. Als Pionier setzt sich der MSC bereits seit 20 Jahren zusammen mit seinen Partnern für nachhaltige Fischerei ein, um die Meere zu schonen und die weltweiten Fischbestände zu schützen. Gottfried Friedrichs ist Partner der ersten Stunde und gratuliert dem MSC sehr herzlich zum 20. Jubiläum.

FRIEDRICHS und MSC: 20 Jahre nachhaltige Fischerei

Der MSC setzt sich seit 20 Jahren für eine nachhaltige Fischerei ein.

Gottfried Friedrichs: Vorreiter für nachhaltige Fischerei in Deutschland

Bereits seit 15 Jahren unterstützt FRIEDRICHS das MSC-Programm und übernimmt damit eine wesentliche Vorreiterfunktion, auf die wir besonders stolz sind. Denn wir sehen uns in der Verantwortung, unseren Beitrag für einen gewissenhaften Umgang mit natürlichen Ressourcen zu leisten. So waren wir weltweit das erste Unternehmen, das MSC-zertifizierten Wildlachs aus nachhaltiger Fischerei im Produktsortiment hatte. Unser FRIEDRICHS Kodiak Wildlachs smoked, trägt seit 2002, als erster Lachsartikel in deutschen Fischregalen, das MSC-Siegel. Heute sind alle FRIEDRICHS Wildlachs-Produkte MSC-zertifiziert ebenso unser Matjes Sortiment und der FRIEDRICHS Deutsche Caviar. Mehr über unsere Zusammenarbeit mit dem MSC lesen Sie auf unserer Homepage.

MSC nachhaltige Fischerei: FRIEDRICHS Wildlachs

Copyright: FRIEDRICHS

Im Interview mit Gerlinde Geltinger erfahren Sie Hintergründe über die Anfänge und Zukunftspläne des MSC und die Partnerschaft mit Gottfried Friedrichs. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Frau Geltinger, MSC feiert in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum. Können Sie sich noch an die Anfänge erinnern? Wie war die damalige Situation?

Jeder Anfang ist schwer. Auch der des MSC. Lange Jahre musste der MSC Fischer und Händler von der Notwendigkeit und Effektivität des blauen Siegels überzeugen. Mitte der 2000er kam dann der Wendepunkt, zusammen mit der Zertifizierung der Alaska-Seelachs Fischerei. Die Zertifizierung dieser großen Weißfischfischerei verhalf dem MSC vor allem in Deutschland zum Durchbruch, denn damit stand einer der Lieblingsspeisefische der Deutschen in großen Mengen zertifiziert zur Verfügung. Das erleichterte das Angebot von MSC-zertifizierten Produkten für den Handel.

Gerlinde Geltinger vom Marine Stewardship Council

Vor 15 Jahren war FRIEDRICHS das erste deutsche Unternehmen, das MSC-zertifizierte Produkte auf den Markt gebracht hat. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und welche Bedeutung hat diese für den MSC?

2002 war es für uns ein wichtiger Schritt nach vorne, als der Wildlachs von FRIEDRICHS als erster Lachsartikel in den deutschen Fischregalen das MSC-Siegel zeigte. Seitdem arbeiten wir eng mit Gottfried Friedrichs zusammen. FRIEDRICHS erweitert sein Angebot von Produkten aus nachhaltiger Fischerei ständig und demonstriert damit, dass nachhaltiger Fischfang fest im Unternehmen verankert ist. Wir sind stolz darauf, pionierhafte Unternehmen wie Gottfried Friedrichs an unserer Seite zu haben, die leidenschaftlich daran arbeiten, die weltweite Fischerei nachhaltiger zu machen. Unternehmen wie FRIEDRICHS sind Motivator und treibende Kraft für Fischereien, den oft beschwerlichen Weg einer MSC-Zertifizierung zu gehen, und wo notwendig Verbesserungen umzusetzen. Das langjährige Engagement von FRIEDRICHS ist beispielhaft und von großem Wert für den Erhalt der Artenvielfalt in unseren Meeren.

Gottfried Friedrichs ist bis heute ein Vorreiter und großer Unterstützer und hat mit seiner unbeirrbaren Nachfrage nach MSC-Lachs maßgeblich dazu beigetragen, die amerikanischen Erstverarbeiter von Alaska Wildlachs zur Rückkehr ins MSC-Programm zu überzeugen. Außerdem hat FRIEDRICHS in einer Partnerschaft mit dem WWF im Wesentlichen dazu beigetragen, die MSC-Zertifizierung der Wildlachsfischereien auf Kamtschatka zu unterstützen und so illegales Fischen zu bekämpfen und den dortigen Wildlachsbestand zu schützen. Deshalb haben wir uns auch dazu entschieden, FRIEDRICHS im Rahmen unserer offiziellen Festveranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum eine Auszeichnung für außergewöhnliches Engagement für nachhaltige Fischerei zu verleihen.

Wildlachs von FRIEDRICHS als erster Lachsartikel in den deutschen Fischregalen mit MSC-Siegel

Wildlachs von FRIEDRICHS als erster Lachsartikel in den deutschen Fischregalen mit MSC-Siegel

Wenn Sie zurückblicken, was waren für Sie die größten und bedeutendsten Erfolge der letzten 20 Jahre für den MSC?

20 Jahre nach der Gründung ist die Verbreitung des MSC-Siegels zweifelsohne eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen kommen mehr als 12 Prozent der weltweiten Fangmenge aus MSC-zertifizierten Fischereien und Verbraucher können in Deutschland heute aus über 5000 Produkten mit MSC-Siegel wählen. Erfreulich ist auch, dass immer mehr Konsumenten das MSC-Logo kennen und beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten zunehmend darauf achten. In Deutschland stieg die Bekanntheit des MSC-Logos zwischen 2010 und 2016 von 36 auf 61 Prozent. Den größten Erfolg sehe ich jedoch darin, dass die Arbeit des MSC deutliche Spuren hinterlässt, und zwar in und auf unseren Meeren.

Die letzten 20 Jahre haben gezeigt, was erreicht werden kann, wenn unterschiedliche Lager und Interessensvertreter zusammenkommen, um auf ein gemeinsames Ziel hin zu arbeiten – nämlich gesunde Weltmeere. So wurde beispielsweise im Zuge der MSC-Zertifizierung der Thunfisch-Fischerei im indischen Ozean erstmals eine länderübergreifende Fangmengenregelung für Thunfisch implementiert. Weil Thunfische ganze Ozeane durchwandern, ist es wichtig, dass ihre Bestände nicht nur lokal, sondern auch global nachhaltig gemanagt werden. Nur durch ein transnationales Bestandsmanagement, was die Einigung vieler verschiedener Interessensvertreter voraussetzt, kann eine nachhaltige Bewirtschaftung von Thunfischbeständen sichergestellt werden.

Rund 290 Fischereien aus 36 Ländern sind heute bereits MSC-zertifiziert. Welche weiteren Ziele haben Sie sich diesbezüglich für die nächsten Jahre gesteckt und wie werden diese umgesetzt?

Dass heute 12 Prozent der weltweiten Fangmenge MSC-zertifiziert sind, ist ein großer Erfolg, zeigt aber auch, dass es noch viel zu tun gibt. Der MSC möchte diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent und bis 2030 sogar auf ein Drittel steigern. Um dies zu erreichen, werden wir unseren Fokus auf Ökosysteme richten, die derzeit im MSC-Programm unterrepräsentiert sind, jedoch hohe Fangmengen anlanden und deren Artenvielfalt stark bedroht ist. Neben Thunfisch und kleinen pelagischen[1] Arten, betrifft dies unter anderem auch Fischereien, die Tintenfisch und Oktopus fangen. Darüber hinaus möchte der MSC Fischereien aus Entwicklungsländern den Zugang zu seinem Programm weiterhin erleichtern. In den nächsten drei Jahren will der MSC die Anzahl von Fischereien aus Entwicklungsländern in seinem Programm verdoppeln.

[1] in offenen Gewässern des Meeres und großen Binnengewässern lebend (und nicht ufernah)

Der MSC gehört zu den Begründern einer heute weltweiten Meeresschutzbewegung. Können Sie uns anlässlich des 20-jährigen Jubiläums (anhand einiger Beispiele) etwas über die positiven Veränderungen in den Bereichen Fischbestandsgrößen und Lebensraumschutz berichten?

Seit 1999 haben über 290 Fischereien die Bewertung nach MSC-Standard erfolgreich abgeschlossen. Sie haben über 1200 Verbesserungen im Bereich Fischbestandsgrößen, Habitatschutz und Fischereimanagement erwirkt und übernehmen somit eine Vorreiterfunktion im Fischereisektor. Intakte Fischbestände, weniger Beifang, mehr Schutzgebiete, stärkere Kontrollen und besseres Management: Das sind einige Verbesserungsbeispiele, die die langfristige Nachhaltigkeit des Lebensraumes Meer begünstigen, Arbeitsplätze erhalten und dabei helfen die Zukunft von Fischereigemeinden zu sichern. In Südafrika hat die Zertifizierung der Kap-Seehechtfischerei zum Beispiel indirekt dazu beigetragen, rund 12.000 Arbeitsplätze im Fischereisektor und den abhängigen Wirtschaftszweigen zu sichern.

Auszeichnung für außergewöhnliches Engagement

Unsere Auszeichnung für außergewöhnliches Engagement für nachhaltige Fischerei bei der offiziellen Festveranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum des MSC.

In der Bevölkerung ist das Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und wertvollen Ressourcen gewachsen. Können Sie diese positive Entwicklung bestätigen?

Ja. Die Forderung nach nachhaltig und verantwortungsbewusst erzeugten Lebensmitteln ist bei uns in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vor 20 Jahren war nachhaltige Fischerei noch Pionierarbeit, heute hat das Thema zum Glück große Bedeutung – auch bei Verbrauchern. Deutsche Verbraucher sind hier im weltweiten Vergleich führend. Laut unserer letzten Verbraucherumfrage ist der Mehrheit der Befragten Nachhaltigkeit beim Fischeinkauf sogar wichtiger als Preis und Marke. Ein überraschendes aber auch sehr erfreuliches Ergebnis. Gelten die Deutschen doch grundsätzlich eher als knauserig beim Einkauf von Lebensmitteln.

Viele Verbraucher möchten also umweltbewusst einkaufen, doch sie wünschen sich ein einfaches Instrument, das ihnen diese Handlung erleichtert. Mit dem MSC-Siegel steht ihnen ein solches Instrument zur Verfügung. Global betrachtet ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit von mehr Nachhaltigkeit im Fischereisektor jedoch immer noch gering. Dass heute 12 Prozent des weltweiten Wildfangs das MSC-Siegel tragen dürfen, ist ein großer Erfolg. Unseren Auftrag erledigt haben wir aber erst, wenn sich 100 Prozent der Verbraucher und auch 100 Prozent der weltweiten Fischereien für eine nachhaltige Arbeitsweise entscheiden. Wir haben also noch viel zu tun!

Herzlichen Dank für das Interview, Frau Geltinger!

Gottfried Friedrichs ist stolz, ein Teil dieser Bewegung zu sein und es ist eine große Ehre für uns, anlässlich des 20. Jubiläums eine Auszeichnung für unser Engagement als Pionier für nachhaltige Fischerei zu erhalten. Wir wünschen dem MSC für alle weiteren Schritte viel Erfolg und werden uns auch zukünftig für den Schutz der Meere einsetzen.

Lesen Sie in diesem Blogbeitrag mehr zum MSC-Siegel.

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