Ein perfekter Kreislauf: Der Lebenszyklus des Lachses

Acht Tage hatten die FRIEDRICHS Scouts in Alaska Zeit, sich den Lebensraum des Wildlachses ganz genau anzuschauen. Während dieser Reise haben wir die verschiedenen Stationen im Leben dieser intelligenten Tiere entdeckt und viele Male gestaunt. Besonders unser letzter Tag auf Kodiak war in dieser Hinsicht spannend, denn die Insel mit den vielen Meeresarmen und Flüssen ist ideal zum Laichen für Lachse geeignet. Unser letzter Reisebericht soll darum den Lebenszyklus der Wildlachse erklären.

Lebenszyklus des Lachses: Kodiak

Copyright: FRIEDRICHS

Der Lebenszyklus des Lachses

Jedes Jahr im Frühling schlüpfen viele hunderttausend Lachse in ihren Laichbetten in Flüssen und Seen und beginnen zu schwimmen. In der ersten Zeit können sie sich noch von ihren „Dottervorräten“ ernähren, die ihre Fischmutter ihnen mitgegeben hat. Erst wenn diese aufgebraucht sind, verlassen sie ihr Laichbett. Während einige Lachsarten sofort ins Meer schwimmen, verbleiben andere bis zu drei Jahre in ihrem Geburtsfluss oder -see.

Lebenszyklus des Lachses: Laichbett Lachse

Copyright: FRIEDRICHS

Lebenszyklus des Lachses: See Kodiak

Copyright: FRIEDRICHS

Lachse werden, je nach Art, zwischen zwei und sieben Jahre alt. Bevor sich ein Lachs auf den Weg zum Laichen macht, lebt er mindestens ein Jahr im kalten Wasser des offenen Meers. Während dieser Zeit profitieren die Lachse von der ausgesprochen guten Wasserqualität, denn die Gewässer Alaskas gehören zu den saubersten und klarsten der Welt. Zudem können sich die carnivoren Tiere so ganz natürlich von Plankton, kleineren Fischen wie Heringen und Krustentieren ernähren, die ihnen auch ihre schöne rote Fleisch-Farbe verleihen. Lachse sind dabei vielzähligen Gefahren ausgeliefert: Nicht nur Wale fressen gerne Lachse, auch vor Seelöwen und Vögeln müssen die Fische sich in Acht nehmen.

Lebenszyklus des Lachses: Küste Kodiak

Copyright: FRIEDRICHS

Schonend gefangen mit den Trolling-Verfahren

Übrigens: Da Lachse Jäger sind, kann man sie ganz ausgezeichnet im Trolling-Verfahren auf schonendste Art und Weise fangen. Denn die Köder, die an den Leinen hinter den Booten durchs Wasser gezogen werden, wecken den Jagdinstinkt der Lachse.

Lebenszyklus des Lachses: Ozean

Copyright: FRIEDRICHS

Die wohl verblüffendste Lebensphase des Lachses ist zugleich ihre letzte: Zum Laichen, also dem Ablegen der Eier, schwimmen Lachse ziemlich genau an die Stelle zurück, an der sie selber einmal aus einem Ei geschlüpft sind. Bis auf 50m können sie diesen Flussabschnitt oder diese Stelle eines Sees orten. Wie genau das funktioniert, ist nach wie vor von Wissenschaftlern nicht endgültig geklärt. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Lachse aufgrund eines besonders feinen Geruchsinns in Kombination mit einer genetischen Veranlagung instinktiv zu ihrem eigenen Laichplatz zurückfinden. Je weiter der Weg zurück zum eigenen Geburtsort ist, desto früher in der Laichzeit machen sich die Lachse auf ihre letzte Reise. Erstaunlicherweise haben sie entsprechend der Länge ihres Weges in der Regel ausreichend Kraftreserven, um die Strecke zu bewältigen.

Lebenszyklus des Lachses: Lachs auf dem Weg zum Laichgebiet

Copyright: FRIEDRICHS

Denn in dem Moment, in dem ein Lachs von Salz- und Süßwasser schwimmt, beginnt ein diffiziler Prozess: Zum einen hören die Lachse auf zu fressen und stecken bis zum Erreichen ihres Laichplatzes alle verbleibende Energie in ihre Fortpflanzungsorgane, also die Produktion von Eiern und Samen. Gleichzeitig setzt beim ersten Kontakt der Fischhaut mit Süßwasser bereits der Sterbeprozess der Lachse ein. Die veränderte mikrobiologische Zusammensetzung des Wassers greift den Lachs langsam aber stetig an. Besonders gegen bestimmte Pilze, die nur in Süßwasser vorkommen, kann sich der Lachs zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wehren. Je näher die Lachse ihrem Laichplatz kommen, desto abgekämpfter und veränderter sehen die einst so stolzen Tiere aus: Ihre Haut verfärbt sich je nach Art weißlich bis rötlich, ihre Flossen beginnen sich zurückzubilden und sie werden mager und verformen sich.

Lebenszyklus des Lachses

Copyright: FRIEDRICHS

Zurück zum Ursprung

Im Sommer und frühen Herbst, also der Zeit, in der die Lachse sich auf den Weg in ihre Laichgebiete machen, kann man dann an vielen Flussbetten ein besonderes Schauspiel beobachten: Gegen die Kraft des Stroms kämpfen sich die Tiere flussaufwärts, überwinden größere Steine und Wasserfälle springend und arbeiten sich so viele Kilometer am Tag bis zu ihren Laichplätzen vor. Nähern sie sich diesen, stoppt ihr zielstrebiger Kurs und das Suchen beginnt. So kann man Stellen in den Flussbetten und Seen beobachten, an denen sich zahlreiche Lachse tummeln und scheinbar nicht mehr vorankommen. Tatsächlich versuchen sie aber mittels ihres Geruchssinns den eigenen Geburtsort möglichst genau wiederzufinden und nutzen diese Stops zur weiteren Orientierung.

Lebenszyklus des Lachses: Lachse suchen Laichplatz

Copyright: FRIEDRICHS

Haben die Lachse ihre letzte Station erreicht, wählen die Weibchen ein Männchen. Die Rangeleien der Männchen um die vielversprechendsten Weibchen können im Frühherbst in flachen Flüssen schön beobachtet werden. Hat ein Weibchen ein Männchen auserkoren, legt es viele tausend Eier ab, die sofort vom Männchen befruchtet werden. Männchen und Weibchen haben für den letzten Akt der Fortpflanzung ihre ganze verbliebene Energie aufgebracht und sterben kurz danach.

Lebenszyklus des Lachses: Toter Lachs

Copyright: FRIEDRICHS

Im Herbst und Winter sind darum in vielen Flüssen und Seen und an deren Ufern Lachskadaver zu sehen. Aufgrund des kalten Wassers verwesen die Fische sehr langsam. Bis zum Frühling des nächsten Jahres haben sich die Fischkörper jedoch vollständig zersetzt – und das Wasser der Schlupfgebiete dadurch mit wertvollsten Stoffen angereichert. Das nährstoffreiche Wasser dient den im Frühjahr schlüpfenden Junglachsen als ausgezeichneter Start in ihr Leben. Ein perfekter, autarker Kreislauf!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.